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Biographie
eines fast vergessenen Hütehundes
oder
wie es dazu kam

Wer kannte
ihn schon, diesen ursprünglichen, alten Arbeitshund
der Schäfer aus dem Osten und der Norddeutschen Tiefebene.
Fast vergessen steht er heute noch immer auf der "Roten
Liste" in Kategorie II der vom aussterben bedrohten
Haustierrassen. Doch wer den Schafpudel erst einmal kennen
gelernt hat, ist begeistert von seiner Klugheit, seiner
Freundlichkeit gegenüber Kindern und seinem ansprechenden
Erscheinungsbild.
So erging es auch mir, als ich im Jahr 2001 meine erste
Schafpudelhündin "Flocke" bekam. Bereits
1984 als ich mit der Zucht des Polski Owczarek Nizinny (PON)
begann, begegnete mir der Schafpudel als Verwandter des
PON in der Literatur. Meine Recherchen, noch einige Exemplare
des Schafpudels ausfindig zu machen, blieben jedoch erfolglos.
So galt mein ganzes Engagement all die Jahre der gesundheitsorientierten
Zucht eines wesensfesten und nervenstarken PONs. Viele Jahre
brachte ich meine Ideale und züchterische Erfahrung
als Zuchtleiterin in die Vereine ein, und betreute Zucht
und Züchter. Im Jahre 2000 begab ich mich erneut auf
die Spuren meiner alten Liebe, des Schafpudels - und diesmal
wurde ich fündig.
Durch die Öffnung der Ostgrenzen tauchten vereinzelte
Restexemplare des Schapus, wie er von seinen Liebhabern
gern genannt wird, auf.
Und so kam Flocke, die knapp zweijährige Altdeutsche
Schafpudelhündin in unser PON-Rudel.
Flocke eroberte unser Herz im Sturm. Ihre Aufmerksamkeit
und Willigkeit und ihre unendliche Sanftmut, gepaart mit
Energie und Lebensfreude begeisterten uns derart, dass ich
beschloss, mein züchterisches Wissen in die Erhaltung
des Schafpudels einzubringen. So suchte ich nach einem geeigneten
Zuchtpartner für Flocke und im Herbst 2002 kamen die
ersten kleinen Schafpudel-Welpen bei uns auf die Welt.

Unser
Ziel ist es, den Schafpudel für Privatleute und Familien
mit Kindern zugänglich zu machen. Das setzt voraus,
dass erst einmal die Zuchttiere gesund, gutmütig und
nervenstark sind. Denn nur gesunde, wesensfeste Eltern bringen
gesunden, wesensfesten Nachwuchs zur Welt. Wir sichern dies
für den Schafpudel durch Gesundheitsuntersuchungen
der Zuchttiere, wie HD-Röntgen (Hüftgelenksdysplasie),
Herz und Augenuntersuchungen und natürlich eine menschengeprägte
Aufzucht in der Familie, so wie ein umfangreiches Reizangebot
während der ersten Lebenswochen, um die Sinne zu fördern.
In meiner züchterischen Arbeit mit dem Schafpudel hat
sich gezeigt, dass dieser überaus intelligente Hütehund
schon im frühen Welpenalter sorgfältigst auf seinen
zukünftigen Job als Familienhund vorbereitet werden
will. Gern wird der Schafpudel so dargestellt, als müsse
man ihm unbedingt eine Herde oder andere herausragende Tätigkeit
bieten, um ihn zufrieden zu stellen. Dabei wird jedoch ganz
vergessen, wie anspruchsvoll der Job eines Familienhundes
ist. Es heißt nicht nur Gehorsam und Unterordnung
zu erlernen. Ein guter Familien-Schapu muss zuverlässig
mit Kindern jeden Alters umgehen können - eine Herausforderung,
die nicht zu unterschätzen ist. Er muss das laute und
hektische Stadtleben gelassen hinnehmen, er muss sich in
der Öffentlichkeit, im Restaurant, im Kaufhaus einwandfrei
benehmen, mit auf Reisen gehen und vieles mehr. Wird ein
kleiner Schafpudel-Welpe nicht schon im Züchterhaushalt
auf seine spätere Aufgabe verantwortungsvoll vorbereitet,
fristet seine ersten Lebenswochen vielleicht sogar isoliert
im Zwinger, dann verkümmert seine herausragende Intelligenz
und wird nicht selten in die falschen Bahnen gelenkt. Später
gilt ein solcher Schafpudel als schwer erziehbar, unsozial,
störrisch und wild.

Ein
gut geprägter Schafpudel ist ganz anders! Er fällt
schon in der Welpenschule als lerneifriger und williger
Schüler auf und kommt nicht selten vorzeitig in die
nächst höhere "Klasse". Neben der hohen
Lernbereitschaft des Schafpudels wissen seine Besitzer auch
seine Hüteeigenschaften zu schätzen. Gleich vom
ersten Tag an begleitet der kleine Schafpudel-Welpe seine
Besitzer ohne Leine. Aufmerksam und neugierig folgt er seinem
neuen "Rudel", ohne es aus den Augen zu lassen,
bleibt dabei zuverlässig in der Nähe seiner Menschen
und neigt nicht zum Wildern und Streunen. Ein kleiner Schafpudel
zeigt sich als ausgesprochen soziales Wesen. Egal ob Hasen,
Katzen, Vögel oder Pferde zu seinem "Rudel"
gehören, der Schafpudel arrangiert sich mit jeder Art
von Hausgenossen. Zu seiner größten Leidenschaft
gehört das Apportieren. Bällchen, Stöckchen,
riesige Äste, alles was noch halbwegs tragbar ist,
wird zurückgebracht. Auch beständiges Tragen von
Körbchen oder Zeitung beherrscht er schnell und zuverlässig.
Kommt der junge Schafpudel in die Pubertät, macht sich
auch sein Wachtrieb bemerkbar. Fremdes und Ungewohntes in
Haus und Garten wird mit Bestimmtheit gemeldet.
Insbesondere für aktive Menschen ist dieser Hütehund
ein idealer Begleiter. Ob Rad- oder Skatertouren, Berg-oder
Skiwanderungen, sein leichtes Gebäude und ausdauerndes
Gangwerk macht ihn zum nimmer müde werdenden "Allrounder".
Und wer den Schafpudel zum Spezialisten ausbilden möchte,
dem sind keine Grenzen gesetzt. Agility, Frisby, Flyball
oder auch anspruchsvolle Ausbildung, wie Rettungs-, Sanitäts-,
oder Therapiehund, der Schafpudel beschert seinen Menschen
viele Erfolge.
Und nicht zuletzt sei sein Sanftmut und seine Anhänglichkeit
erwähnt. Wann immer der Schafpudel kann, sucht er die
Nähe seiner Menschen und zeigt sich trotz seiner großen
Leistungsbereitschaft ausgeglichen und friedvoll.

Sein
entbehrungsreiches, hartes Leben als Hütehund an den
Schafen, hat den Schafpudel zum anspruchslosen, robusten
und gesundheitlich stabilen Hund gemacht. Denn nur die widerstandsfähigsten,
intelligentesten und arbeitsfähigsten Hunde wurden
zu Verpaarungen herangezogen. Diese Leitlinie möchten
wir für den Schafpudel erhalten und ihn vor züchterischen
Eitelkeiten, wie Schönheitsrichten, Ausstellungs- und
Modehund-Dasein bewahren.
Zum Abschluss möchte ich noch ein Zitat von Frau Schweikel-Eckelmeyer
erwähnen:
"Wer auch immer den Schafpudel beschrieb, lobte seine
Charaktereigenschaften. Er galt nicht nur als verlässlicher
Hütehund schlechthin, sondern auch als liebenswerter
Hof- und Familienhund, klug, aufmerksam und wachsam, kinderlieb,
anhänglich und verträglich. Er ist ausdauernd
und unverwüstlich, dabei anspruchslos und genügsam."
Und Christopher Kluk schrieb 1779:"
Schafpudel
sind schlaue Hunde und haben fast menschliche Intelligenz."
Im Institut für ganzheitliche
Zucht von PON und Schafpudel werden unsere langjährige
züchterische Erfahrung, unsere Liebe zum Schafpudel
und unseren Idealismus dafür einsetzen, dass diese
liebenswerten und intelligenten Hütehunde nicht aussterben
und in ihrer ursprünglichen Art erhalten bleiben.
Mechthild
Tibbe

P.S.
Die Population des echten, ursprünglichen Schafpudels
wird zur Zeit auf ca. 300 Exemplare geschätzt.
Kurzbeschreibung:
Leicht
gebauter, mittelgroßer Hund mit mittellangem, welligem
Haarkleid, säbelförmiger Rute und raumgreifendem,
federndem Gangwerk.
Farben: ursprünglich weiß bis weizenfarbig, aber
auch grau und schwarz
Größe:
Rüde: 56 cm bis 60 cm
Hündin: 52 cm bis 56 cm
Gewicht: 16 kg bis 25 kg der Größe entsprechend
"Ein
Individualist für Individualisten"
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